15 Tipps für Fehler der Vergangenheit

Sanduhr vor grauem Hintergrund
Wie vergibt man sich eigentlich selbst? Bild von mdjaff auf Freepik

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Wenn du deine Vergangenheit verarbeiten möchtest, hast du eventuell schon einmal daran gedacht, es mit einer Therapie zu probieren. Vielleicht erscheint dir dieser Schritt aktuell noch etwas groß und du möchtest dich zunächst mit einigen Selbsthilfetipps auseinandersetzen. Für welchen Weg du dich auch entscheidest, auch mit einer schwierigen Vergangenheit lässt sich Frieden finden. Wir starten mit 15 Tipps, die dir dabei helfen können.

Vergangenheit verarbeiten: Das kannst du tun

  1. Akzeptiere den Status quo
    Auch wenn es abgedroschen klingt, Akzeptanz ist einer der wichtigsten Schritte, wenn du deine Vergangenheit verarbeiten willst. In erster Linie geht es dabei darum, dass du anerkennst, was vorgefallen ist. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass du es gut oder okay finden musst. Wenn du in der Vergangenheit Fehler gemacht hast, kann Akzeptanz beispielsweise so aussehen, dass du die Fehler dir gegenüber eingestehst, dich aber gleichzeitig nicht dafür verteufelst – Fehler sind schließlich menschlich (auch große Fehler!).
  2. Reflektiere ohne zu urteilen
    Die Reflektion geht noch einen Schritt weiter als die Akzeptanz. Setze dich in Ruhe hin und reflektiere bewusst über deine vergangenen Fehler. Auch dieses Mal geht es keineswegs darum, dass du dich selbst verurteilst oder dir unnötige Selbstvorwürfe machst. Das Ziel ist es, zu verstehen, warum du so gehandelt hast, wie du gehandelt hast. So lernst du dich einerseits selbst besser kennen und kannst gleichzeitig Vorkehrungen treffen, um ähnliche Fehler in der Zukunft besser vermeiden zu können.
  3. Lerne aus deinen Fehlern
    Dieser Schritt geht Hand in Hand mit der Reflektion. Fehler können wertvolle Lektionen beinhalten. Identifiziere ganz konkret, was du aus deinen Fehlern gelernt hast, und nutze dieses Wissen, um in der Zukunft klügere Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es nicht nur um das reine Verstehen, sondern auch darum, dein neues Wissen in der Zukunft anzuwenden.
  4. Rede darüber
    Wenn möglich, teile deine Gefühle und Erfahrungen mit einem Vertrauten, einem Freund oder einem Therapeuten. Das Sprechen über deine Vergangenheit kann eine therapeutische Wirkung haben und dir helfen, sie zu verarbeiten. Wichtig ist dabei, dass dich dein Gegenüber versteht und dich nicht verurteilt.
  5. Setze dir klare Ziele für die Zukunft
    Die Vergangenheit hinter dir zu lassen, bedeutet den Blick in Richtung Zukunft zu lenken. Auch wenn du denkst, dass du noch nicht mit Fehlern der Vergangenheit abgeschlossen hast, setze dir konkrete Ziele, die dich vorwärts bringen. Wenn du ein Ziel vor Augen hast, wird es einfacher, dich von der Vergangenheit zu lösen.
  6. Sei lieb zu dir
    Selbstfürsorge ist entscheidend, um Frieden zu schließen. Gönne dir Dinge, die dir Freude bereiten, und kümmere dich um dein körperliches und geistiges Wohlbefinden.
  7. Keine Selbstvorwürfe
    Tappe nicht in die Falle der Selbstvorwürfe. Das wird dir nichts bringen und du fühlst dich stattdessen nur unnötig schlechter, als du es eigentlich müsstest. Du bist nicht deine Fehler. Lass sie nicht deine Selbstachtung beeinflussen. Jeder Mensch kann sich ändern und verdient eine zweite (dritte, vierte…) Chance, auch du.
  8. Praktiziere Achtsamkeit
    Achtsamkeit hilft dir, im gegenwärtigen Moment zu leben. Durch Meditation und bewusstes Atmen kannst du die Gedanken an die Vergangenheit loslassen und dich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Vielleicht klappt das nur für einen kurzen Moment. Aber es klappt, für einen kurzen Moment.
  9. Verändere deine innere Erzählung
    Arbeite daran, wie du deine Vergangenheit interpretierst. Betrachte sie als Teil deines Weges zur Selbsterkenntnis und des persönlichen Wachstums. Ändere die Erzählung zum Beispiel von „Ich habe versagt“ zu „Ich habe gelernt“. Auch der Weise wird nicht weise geboren, und vielleicht war das genau die Lektion, die du lernen musstest.
  10. Setze realistische Erwartungen
    Niemand ist perfekt. Darum ist es wichtig, dass du realistische Erwartungen an dich selbst stellst. Es ist ganz normal, Fehler zu machen, und sie sind oft notwendig, um zu wachsen. Auch große und schwerwiegende Fehler gehören zum Leben.
  11. Verbinde dich mit deinen Werten
    Überlege, welche Werte dir wichtig sind, und arbeite daran, sie in dein Leben zu integrieren. Wenn du dich auf das konzentrierst, was dir wirklich am Herzen liegt, bist du auf einem guten Weg in Richtung Zufriedenheit.
  12. Nimm Hilfe in Anspruch
    Manchmal kann die Vergangenheit tief verwurzelte emotionale Wunden hinterlassen. In solchen Fällen kann die Unterstützung durch Psychotherapie eine gute Hilfe darstellen.
  13. Übe Vergebung
    Vergib nicht nur dir selbst, sondern auch anderen, die in deine Vergangenheit involviert waren. Vergebung kann eine befreiende Wirkung haben und den Weg zum Frieden ebnen.
  14.  Schaffe positive Erinnerungen
    Lenke deine Aufmerksamkeit auf die Schaffung neuer positiver Erlebnisse in der Gegenwart. Diese neuen Erfahrungen können dazu beitragen, dass die alten, negativen Erinnerungen weniger Gewicht haben.
  15. Gib dir Zeit
    Der Umgang mit der Vergangenheit ist ein Prozess, der Zeit in Anspruch nehmen kann. Hab Geduld mit dir selbst und erwarte nicht, dass Probleme, die du schon länger mit dir rumträgst von einem Tag auf den anderen verschwinden. Sei dir bewusst, dass es Zeit benötigt und investiere diese Zeit in dich.

Brauche ich eine Therapie, um meine Vergangenheit zu verarbeiten?

Sich zu fragen, ob man eine Therapie benötigt, ist ganz normal. Fast jeder Mensch stellt sich diese Frage mal im Laufe seines Lebens. Und tatsächlich ist es so, dass viele Menschen von einer Therapie profitieren können. Wenn du mit deiner Vergangenheit haderst, bieten sich unter anderem die folgenden Therapiemethoden besonders an:

  • REVT: Die rational-emotive Verhaltenstherapie, die ich in meiner Praxis anbiete, konzentriert sich auf nicht unterstützende Glaubenssätze und Denkmuster, die einen effektiven Umgang mit der Vergangenheit verhindern. In der REVT liegt der Fokus stets darauf, positive Veränderungen im Hier und Jetzt zu bewirken, selbst bei Herausforderungen, die scheinbar in der Vergangenheit wurzeln. Die Vorteile der REVT liegen in ihrer vergleichsweise schnellen Wirksamkeit, wodurch in der Regel weniger Sitzungen erforderlich sind, um positive Veränderungen zu erleben. Zusätzlich geht die REVT direkt an den Entstehungspunkt emotionaler Probleme. Sie setzt an den Grundüberzeugungen an, die dafür verantwortlich sind, dass vergangene Probleme auch in der Gegenwart noch negative Auswirkungen auf uns haben.
  • Psychoanalyse: Bei der Psychoanalyse nach Sigmund Freud ist die eigene Lebensgeschichte Dreh- und Angelpunkt der Therapie. Zusammen mit dem Therapeuten wird die eigene Lebensgeschichte in zahlreichen Sitzungen im Detail aufgearbeitet. Das Ziel besteht darin, zu verstehen, welche Situationen und Erlebnisse dazu geführt haben, dass man so ist, wie man ist.
  • Medikamentöse Behandlung: Wenn die psychischen Probleme besonders intensiv sind, kann ein Psychiater die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung in Betracht ziehen, beispielsweise mit Antidepressiva. Solche Medikamente können ebenfalls dazu beitragen, die Verarbeitung der Vergangenheit zu unterstützen, indem sie dem Patienten die nötige Stabilität verleihen, um eine tiefgehende innere Verarbeitung zuzulassen. Studien haben gezeigt, dass die Kombination von medikamentöser Behandlung, insbesondere bei Depressionen, und Psychotherapie besonders positive Ergebnisse erzielen kann. Trotzdem stehen viele Patienten einer medikamentösen Behandlung skeptisch gegenüber, sei es aufgrund von Vorurteilen oder berechtigten Bedenken hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen.

Schlussgedanke

Kann man die Vergangenheit wirklich verarbeiten und was soll das überhaupt genau bedeuten? Man kann definitiv aus der Vergangenheit lernen und oftmals kann das Erlebte so in die eigene Persönlichkeit integriert werden, dass es einen nicht daran hindert, ein annähernd normales Leben zu führen. Aber man kann die Vergangenheit natürlich nicht ändern – was viele Betroffene nicht daran hindert, dies trotzdem zu probieren. Akzeptanz ist im Umgang mit der Vergangenheit ein besonders wichtiger Begriff.

Die Versöhnung mit den Fehlern der Vergangenheit ist ein wichtiger Schritt zur inneren Ruhe und persönlichen Entwicklung. Die oben genannten Tipps können helfen, Frieden zu schließen und deinen Blick nach vorne zu richten. Wenn du eine Psychotherapie in Göttingen oder online durchführen möchtest, melde dich gerne.

Quellen

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